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Fotos Cellah

5. Tag Moschee und andere Sehenswürdigkeiten

Heute Morgen haben wir uns die Moschee Hassan der Fünfte von innen angesehen. Der Gebetsraum war wirklich sehr beeindruckend. An der Seite waren große verzierte Türen, alle mit der für Marokko so typischen Form. Auf dem Boden war zum Teil Teppich, wir mussten strümpfig bzw. barfuß dort laufen. Wir Frauen sollten ein Kopftuch tragen, längere Ärmel (ideal bis über den Ellbogen) und Hosen bis über die Knie. Letzteres galt auch für die Männer. Ich war überrascht über die Offenheit, denn wir Frauen mussten nicht zwingend ein Kopftuch tragen.

Der Innenraum der Moschee war riesig. Weiße Marmorsäulen und zahlreiche Stockfassaden sowie Holzschnitzereien zierten den Raum. Der Moschee stand daher ein alter Dom in nichts nach, war aber kombiniert mit moderner Technik, z.B. können die Lüster (aus Murano) automatisch zum Putzen herunter gelassen werden. Die Moslems müssen fünf Mal am Tag beten, immer in Richtung Mekka, das ist dort, wo in der Kirche so eine Art Aussparung für den „Vorbeter“ ist. Die Moschee hat auch einen Waschbereich. Das ist eine riesen Halle, die aussieht als hätte sie viele Brunnen. Bevor gebetet wird, müssen die Muslime sich immer waschen: Arme, Füße, Mund, Nase, Gesicht – alles drei Mal und einmal den Kopf.

Zur Moschee gehört aber auch eine Sauna, wie sie damals die Römer hatten. Ein großer warmer Raum, ein kleinerer heißer und ein kalter Raum. Überrascht waren wir auch, ein Schwimmbecken mit Wasserdampf zu sehen, das soll demnächst auch für die Gläubigen eröffnet werden.

Nach der beeindruckenden Moschee war wieder einmal Busfahren angesagt. Wir fuhren bis Rabat. Rabat ist seit 1956 die Hauptstadt von Marokko und offizieller Sitz des Königs. Er hat einen Palast für offizielle Anlässe und ein privates Grundstück – hier sahen wir nur Bambus (ca. 6m hoch), Mauer, Wachen und sonst nichts – das Grundstück war aber riesig. Den königlichen Palast allerdings kann man von außen ansehen. Er liegt auf einem sehr gepflegten Grundstück mit einer Moschee, diversen Regierungshäusern, Privatschulen etc.

Chellah

Unser nächstes Ziel war die Chellah. Das ist die antike römische Stadt Sala Colonia und die Meriniden-Nekropole Chellah. Im Jahr 14 n. Chr. wurde diese Stadt gebaut. 1154 wurde diese wieder von den Römern als eine der letzten römischen Städte in Marokko verlassen und von den Berbern besetzt.

Von der islamischen Zeit ist mehr übrig geblieben. Hoch oben auf dem Minarett sitzt ein Storchennest. Außerdem sind dort ein Grab zu sehen, die Überreste einer Moschee und ein Becken mit Aalen. Angeblich haben die Frauen sich dort in das Wasser gesetzt wenn sie keine Kinder bekommen haben.

Hassanturm und Mausoleum von Mohammed

Als nächstes haben wir uns den Hassanturm und das Mausoleum von Mohammed den vierten angesehen. Der Hassanturm ist das Wahrzeichen Rabats und wurde 1195 angefangen zu bauen. Eigentlich sollte er das höchste Minarett der Welt werden, aber der Bau wurde bei 44m eingestellt. Die restliche Moschee wurde 1755 bei einem Erdbeben zerstört, so dass nur noch die Säulen zu sehen sind. Direkt daneben steht das Mausoleum von Mohammed den vierten, dem Vater des heutigen Königs. Es ist von außen aus Marmor und innen verziert mit Mosaiken.

Nach diesen Highlights fuhren wir noch in ein Restaurant – wieder eine Touristenabzocke. Trotzdem schmeckte das Essen – diesmal aßen wir wieder Tajine und Fleischspieße. In der Tajine waren eingelegte Zitronen und Oliven dabei. Diese werden wohl in Öl und Essig eingelegt. Essen konnte man das nicht, aber das wird wahrscheinlich zum Würzen dazugegeben.

Ich musste aufs Klo, auch wenn ich das im Nachhinein besser unterdruckt hätte. Das Klo war ein Loch: Die Keramik war auf dem Boden (Loch) und eine Klospülung gab es nicht. Stattdessen stand ein Eimer Wasser an der Seite, den ich aber beim besten Willen nicht anrührte. Zu allem Übel war die Decke so niedrig, dass ich nicht gerade stehen konnte und das Abschließen klappte nicht wirklich. Grrr

Während dem Essen fiel uns einmal wieder auf, dass viele Marokkaner Fremdsprachen sprechen. Als wir so saßen, dachten wir eigentlich, dass uns keiner versteht, aber dem war nicht so! Unser marokkanischer Sitznachbar verstand uns prima. Französisch ist die zweite Landessprache, aber auch Spanisch wird im Norden viel gesprochen. Außerdem lernen die Verkäufer schnell Worte wie „Alles klar“. Woher aber manche so gut Deutsch können, wissen wir nicht.

Tanger

Anschließend fuhren wir weiter nach Tanger. Die Fahrt war landschaftlich sehr schön. Man bemerkte, wie das Land im Norden immer grüner wurde. So fuhren wir zum Beispiel an Eukalyptusbäumen und der Korkeiche (daraus wird Kork gewonnen) vorbei. Später fuhren wir dann an Erdnussplantagen vorbei – im Herbst werden dort Erdnüsse angepflanzt, im Frühjahr Erdbeeren. Außerdem sahen wir Bananengewächshäuser – eigentlich nur Bananenstauden die mit Planen überdeckt waren. Zwischendurch wurde die Erde feuerrot (ein bisschen wie in Kenia). Da die Erde von der Abendsonne angeschienen wurde und manchmal richtige Furchen hatte, sah das unglaublich toll aus.

Am Stadtrand von Tanger sahen wir unzählige halbfertige und fertige, aber leer stehende Häuser. Der Grund liegt in der Wirtschaftskrise. Diese bewirkt, dass weniger Touristen in das Land kommen und Investitionen der Industrie gestoppt werden. Daher hat die Bevölkerung weniger Geld was zu einer sinkenden Immobiliennachfrage geführt hat.

Als wir in Tanger ankamen wurde es schon dunkel. Mohammed zeigte uns zahlreiche Häuser ohne Licht – diese gehören Migranten. Über 3 Mio. Marokkaner sind vor vielen Jahren ausgewandert. Meist haben diese noch Wohnungen/Häuser in Marokko, inzwischen in der vierten Generation. Diese Menschenmenge ist nicht zu unterschätzen, denn diese Marokkaner bringen kräftig Devisen in das Land, wenn sie ihre Heimat besuchen oder ihre Verwandtschaft unterstützen.

Das Hotel in Tanger war wieder nicht berauschend, dafür aber das Abendessen. Es gab Salatbuffet/Suppe und als Hauptgang hatten wir drei Gerichte zur Auswahl. Schön war, dass diese typisch Marokkanisch waren. Begeistert waren wir auch von den Kellnern, die neben Arabisch, Französisch, Deutsch und Spanisch (die meisten) verstanden. Nur das Englisch kommt nicht wirklich zum Zug.

Nach dem Abendessen sind wir zu viert noch ein bisschen durch die Gassen geschlendert. Hier fiel vor allem eines auf: Männer, Männer, Männer. Wir sahen fast keine Frauen. Keiner sprach uns komisch an oder so, das war nicht das Problem, aber es war schon ein komisches Gefühl. Nur vereinzelt sahen wir Frauen und je später es wurde, umso weniger Frauen sahen wir. In den Cafés standen die Stühle vor der Tür und die Männer standen wie auf der Hühnerstange und sahen sich die Leute an. Es ist ein komisches Gefühl dort als Frau, weil man sich überlegt, was die über einen denken (wahrscheinlich nichts Gutes) und man sich nicht respektiert vorkommt. Bei einem Obsthändler bestellte ich dann noch Granatapfel und Bananen, ich war total happy einmal wieder Spanisch zu sprechen.